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Forenübersicht » Pfadfinder - Forum » Allgemeine Pfadfinderthemen » Traurige Nachricht: Hathi ist gestorben

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moggeCP ist offline moggeCP  
Traurige Nachricht: Hathi ist gestorben
2773 Beiträge
moggeCP`s alternatives Ego
NACHRUF


Gott sprach zu Abraham, der sich aufmachen sollte in ein unbekanntes Land:
"Ich will Dich segnen und will Dir einen großen Namen machen, und Du sollst ein Segen sein."

(Gen. 12,2 i.A.)


Ihr Lieben,

letzte Woche Dienstag, 22. August, erreichte mich die traurige Nachricht, dass Hathi im Alter von 60 Jahren verstorben ist. Er erlang schweren Verletzungen, die er sich eine Woche zuvor beim einem Sturz zugezogen hatte.
Die Woche vor seinem Tod war intensiv und schwer, vor allem für seine Familie. Im Gebet waren wir einander verbunden. Aber alles Hoffen und Bangen hat nichts gebracht.

Hathi war ein feiner Kerl; er war einer meiner besten Freunde. Aufrichtig im Denken, verlässlich im Tun. Er hat mich als Kreuzpfadfinder aufgenommen, war ein wichtiger Ratgeber und Mentor und noch viel mehr als das, er war mein Trauzeuge und im September hätten wir seine Silberhochzeit feiern wollen. Auf die Geburt und die Taufe meiner Tochter freute er sich schon sehr.
Wir waren Brüder im Geiste und im Herzen. (Ich danke Löffel für diese treffende Beschreibung, die nicht meine ist, sondern von Löffel geliehen ist. Ich hätte es selber nicht besser formulieren können.)
Neben die Trauer stellt sich bei mir das Gefühl zutiefst empfundener Dankbarkeit.
Ich danke Gott, dass er mir einen so guten Freund an die Seite gestellt hat. Unsere Freundschaft dauerte nun schon mein halbes Leben - und reichte bis zu Hathis letztem Atemzug. Diese Dankbarkeit werde ich bis zum Ende meines Lebens behalten.

Die Pfadfinderarbeit der Metzinger CPD und das dortige schmucke Pfadfinderheim samt Zeltplatz würde es ohne ihn so nicht geben. Vor wenigen Jahren wurden der Zeltplatz noch erweitert und ein zweites Häuschen gebaut. Die Chronik über 100 Jahre Pfadfinderarbeit in Metzingen hat er mitbearbeitet; vor wenigen Wochen erst erhielt ich das lesenswerte Heft per Post.
Er hat viele wichtige Impulse gegeben für die Arbeit im Gau Ermstal. Für eine traditionelle und starke Wölflingsarbeit hat er sich eingesetzt. Montagabends war immer das Treffen seiner Roverrunde Aragorn, die aus seinen eigenen zwei Sippen hervorgegegangen ist. Die Rover leben den Kreuzpfadfindergedanken tatkäftig, auch im Alltag. Die Roverrunde ist lebendiges Christentum, ist lebendige Kirche. Er war fest verwurzelt im Glauben. Er war treues Glied seiner evangelischen Kirche. Die Metzinger Martinskirche hatte eine nicht zu ermessene Bedeutung für ihn.
Aus Hathis Roverrunde sind selbst viele Sippen- und Stammesführer hervorgegangen. Und noch einmal im Jahr geht die Roverrunde an einem Wochenende gemeinsam auf Fahrt, so wie sie es früher taten. Dankbar bin ich den Metzinger Rovern, dass sie mich immer als Gast aufgenommen und sogar mit auf die Roverfahrten nahmen.
Die Roverrunde ist ein Beispiel von gelebtem Lebenspfadfindertum. Die Freundschaften mit seinen Rovern haben ihn sein ganzes Leben getragen, das weiß ich aus vielen Gesprächen und Begegnungen.
Vor ein paar Jahren verstarb mit Linse überraschend das erste Mitglied der Roverrunde. Für die Gemeinschaft, die ja seit der Jugendzeit bestand, war es ein immenser Verlust. Die Roverrunde hat sich und alle Trauernden gegenseitig gestützt und gehalten und ist daran gewachsen.
Den eigenen Einsatz hat Hathi nie gescheut und sich dabei nie geschont. Dabei hat er immer andere motiviert und eingebunden. Er brannte für seine Pfadfinderarbeit, ist daran aber nie verbrannt. Er wusste es, das Feuer zu schüren, so dass es ein Leben lang brennt. Neben all der Pfadfinderarbeit waren seine Frau und seine Familie ein wichtiger Pfeiler in seinem Leben; das hat er nie vernachlässigt.
Viele ließen sich von seiner Energie und Lebensfreude anstecken. Eine davon ist meine Frau Debbie, pfadfinderisch eine Quereinsteigerin. Die beiden kannten sich nun seit vier Jahren. Auch ihr wurde er schnell zu einem guten Freund und Ratgeber bei persönlichen wie pfadfinderischen Belangen. Und unsere Ehefrauen verstanden sich auf Anhieb. Das ist ebenfalls ein großes Geschenk, das bleiben wird. Wir waren immer füreinander da und bleiben es auch.

Auch überbündisch war er interessiert und vernetzt - hier im Pfadfinder-Treffpunkt, bei vielen überbündischen Aktionen, beim CP-Woodbadge, das er auch maßgeblich geprägt hat. Seit Gründung des CP-Woodbadge (Erster Kurs 2008) war er bei allen Kursen, und soweit ich weiß, bei allen Reunions und anderen Treffen dabei. Sein eigenes Woodbadge wurde ihm seinerzeit im Rahmen des DPR-Woodbadge-Trainings verliehen.
Zuletzt war er auch Vorsitzender des Arbeitskreises CP-Woodbadge; er trug die vier Klöppel des DCC, und das nicht ohne Stolz, aber immer demütig. Der Dienst an der Pfadfinderidee und den Pfadfindern stand bei ihm an erster Stelle, getreu dem Motto der Rover "Ich diene!".
Neben den Rovern, die er ja aus seiner Jugendzeit kennt, entstanden im CP-Woodbadge enge Freundschaften zu Pfadfindern anderer Bünde und Konfessionen, etwa zu Mikel von der FSE-A. Ich weiß, es ist gefährlich, nur einzelne auszuwählen und namentlich zu benennen. All die, die ich nicht erwähne, bitte ich um Verzeihung. Alle Erinnerung ist nun einmal subjektiv und fragmentarisch.
Oft hat er davon geschwärmt, wie gerne er sich mit Mikel aus der Kurpfalz trifft, um das gemeinsame Projekt weiter voranzutreiben.
Und Karsten vom Stamm Sarowe - wohlgemerkt in SH - sprach er immer auf schwäbisch "Karschdden" aus - das wird mir immer im Ohr bleiben.
Gerne denke ich persönlich an meinen Woodbadge-Kurs zurück, die Woodbadge-Reunions, den Besuch im Gilwellpark, aber auch die gemeinsamen Besuche bei Bulas von VCP und BdP.
Unvergessen ist der gemeinsame Abend am Rande enes VCP-Bulas zusammen mit ziege.
Voller Anerkennung und liebevoll wohlwollend sprach er von upsis und Annes Hamburger VCP-Stamm Astrid Lindgren von "meinem Lieblings-VCP-Stamm". Überbündisch brachte er sich beim Kirchentag als Hallenleiter ein; eigentlich wollte er sein Engagement dort reduzieren, aber kohle und vroni vom VCP Bayern haben ihn doch noch überredet, dieses Jahr dabei zu sein.
Ein Foto bekam ich vom Kirchentag zugeschickt, wie er mit einem Sippling eines meiner Sipplinge rumalberte - ich erinnere es so gut, weil es doch zeigt, wie mannigfaltig seine menschlichen Beziehungen waren, wie nahbar er war.
Hathi hatte sich sehr drauf gefreut, dass steini ihm als HoC vom Word Scout Jamboree in Korea berichten würde. Medial haben wir beide es ja mit größtem Interesse verfolgt. Vor wenigen Wochen noch war er Tagesbesucher beim WFIS-Eurocamp und traf dort auch den WFIS-Präsidenten Klaus.
Auch in meiner Familie und in meinem Heimatstamm und meiner Heimatgemeinde löste sein Tod Betroffenheit aus.

Wir haben tagtäglich telefoniert und/oder geschrieben. Viele Blödeleien waren dabei - er hatte einen feinen Humor - wir haben aber auch über ernste und existentielle Themen, die das Leben und den Tod betreffen, gesprochen. Ein großer Vertrauensbeweis war, als er mich bat, die Trauerfeier für seinen Vater zu halten. Das ist ein gutes halbes Jahr her.
Eine meine ersten Seminararbeiten als Student schrieb ich über den dänischen Philosophen und Theologen Sören Kierkegaard - darüber tauschten wir uns natürlich aus. Wie wahr wurde doch immer wieder Kierkegaards Wort: "Das Leben will vorwärts gelebt und rückwärts verstanden werden." Hathi hat das Leben immer vorwärts gelebt, mit all seinen Ideen, seiner Kreativität und Phantasie, mit seiner Tat- und Schaffenskraft. "Das Leben will vorwärts gelebt und rückwärts verstanden werden." Nun ist es an uns, rückwärts zu verstehen. Hathis irdisches Leben war einmalig. Er geht nun ein in die Ewigkeit bei Gott. Unsere Namen sind alle bei Gott aufgeschrieben; er vergisst keinen. Gott will mit uns in Beziehung leben; wir sind ihm kein annoymes Gegenüber. Gottes Liebe zu uns ist stärker als der Tod. Und all diese Beziehungen werden Bestand haben, wenn wir eingehen in die Ewigkeit bei Gott. Was wir jetzt auf Erden getan haben, ist nicht vergeblich. All das wird es weitherin geben, verwandelt, vollendet.

Hathis irdisches Leben war segensreich. "Und Du sollst ein Segen sein.", sagte Gott zu Abraham.
"Und Du warst ein Segen!", wird Gott nun zu Hathi sagen - da bin ich mir sicher.

Ruhe in Frieden, mein treuer Freund! Wir werden uns wiedersehen, wenn Gott Himmel und Erde neu machen wird. Das weiß ich. Und darauf freue ich mich.

Gut Pfad!
Dein mogge



Hinweis. Aus diesem Nachruf darf gerne zitiert werden. Höflich ist es, mich zuvor anzufragen. Danke.



Erkenntnis nach einigen Jahren im PT: "Schuld haben grundsätzlich die anderen!" ;-)


Dieser Beitrag wurde 26 mal editiert, zuletzt von moggeCP am 09.09.2023 - 12:27.
Beitrag vom 28.08.2023 - 11:20
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