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Jugendburg Ludwigstein

Deutschland
 
Der Ludwigstein - die Burg der Jugendbewegung

Burg Ludwigstein liegt über dem Werratal im Dreiländereck zwischen Hessen, Thüringen und Niedersachsen. Zu Beginn des 20. Jh. wurde das vom Verfall bedrohte Bauwerk von Gruppen aus der Jugendbewegung erworben und zu deren Mittelpunkt ausgebaut. In dieser Tradition steht die Burg noch heute.

Jugendbewegte Elemente sind nicht nur der Wandervogel, der als Wetterfahne die Turmhaube ziert und die schwarz-rot-grünen Wandervogelfahnen. Es sind vor allem das gemeinsame Werken, Singen und Musizieren, Tanzen und Erzählen im Feuerkreis. Die Eigenständigkeit und die Vielgestaltigkeit der jugendbewegten Gruppen lassen die Burg lebendig werden.

Im Sinne der Jugendbewegung traditionell ist aber auch der Wunsch, gemeinsam Antworten zu finden auf die drängenden Fragen unserer Zeit. So ist es u. a. der Jugendbewegung zu danken, dass unser Schulsystem heute deutlich andere Züge trägt als zu Beginn des 20. Jh. – und gerade zu den aktuellen Überlegungen um eine Reform des Bildungswesens können die im Umfeld der Burg angesiedelten Foren und Initiativen einiges beitragen.

Das Wesen und die Ziele der Jugendburg Ludwigstein sind in den sieben Ludwigsteiner Leitsätzen zusammengefasst


„Entdeckung“ zu Beginn des 20. Jh. durch den Wandervogel


Alte Gemäuer hatten für die von der Romantik inspirierten Wandervögel von jeher eine große Anziehungskraft. So auch der Ludwigstein, der im 15. Jh. im Namen des hessischen Landgrafen Ludwig als Grenzfeste errichtet wurde. Zu Beginn des 20. Jh. ist die Burg dieser Funktion längst beraubt und weitgehend verfallen. Auf einer Wanderung wird der Ludwigstein vom Hanstein aus erspäht und fortan als Geheimtipp gehandelt. Immer mehr Wandervogelgruppen begegnen sich „zufällig“ „auf dem Lu“.

1913 findet auf dem nahe gelegenen Meißner – der fortan offiziell „Hoher Meißner“ heißt – der Freideutsche Jugendtag statt. So erhält die Region, die schon lange als das Märchenland der Gebrüder Grimm bekannt ist, für die Jugendbewegung eine besondere Bedeutung. Folgerichtig ist da der Entschluss, die leer stehende Burg zu erwerben und zu einem räumlichen wie geistigen Mittelpunkt für die jugendbewegten Gruppen auszubauen.

Aber noch bevor diese Pläne in die Tat umgesetzt werden können, bricht der Erste Weltkrieg aus.


Erwerb und Wiederaufbau aus eigener Kraft


Der Krieg hinterlässt die Jugendbewegten in großer Zerrissenheit. Hatte man noch ein Jahr vor Kriegsausbruch auf dem Hohen Meißner ein neues Zeitalter beschworen und den Kaiser in einem Telegramm eindringlich gebeten, den Frieden zu erhalten, so war man dann doch bereitwillig der Fahne gefolgt - und 50000 Wandervögel kehren nicht mehr zurück.

Viele Jugendbewegte, die in den Wirren des Krieges einen Menschen oder ihren Lebenssinn verloren haben, gründen jetzt die Vereinigung Jugendburg Ludwigstein und erwerben 1920 die Ruine, um die Burg als Ehrenmal für die im Krieg Gefallenen und als sichtbares Symbol eines heilsamen Aufbaus neu zu errichten. Kennzeichnend sind die Bilder langer Reihen junger Menschen, durch die die Steine für den Wiederaufbau von Hand zu Hand aus dem Werratal bis zur Burg hinauf gereicht werden. Zu Zeiten der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg schafft sich der Ludwigstein seine eigene Währung, und Jugendbewegte aus allen Bünden ziehen von dort aus als Siedler aufs Land, um ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Die Burg erlebt eine wahre Blüte - bis zur Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus.


Geistiges Zentrum der Jugendbünde


Auch nach diesem zweiten Rückschlag, der erneut in einem Weltkrieg gipfelt, rauft man sich notgedrungen wieder zusammen. Die Gruppen sind in alle Winde zerstreut, das Archiv ist verschollen, die Burg war jahrelang in der Hand des NS-Regimes und steht nun – mitten in Deutschland – plötzlich wieder an einer Grenze; aber sie ist doch äußerlich erhalten geblieben. Die Jugendbünde gründen sich neu; so auf dem Ludwigstein 1953 zunächst der Zugvogel, der sich als erster Fahrtenbund zur Gewaltlosigkeit bekennt. 1966 formiert sich an gleicher Stelle der Ring junger Bünde. Neben den Wandervögeln finden sich nun auch vermehrt Pfadfinderbünde und Jungenschaften ein. Das Archiv wird wieder errichtet und – wie auch die Burg – 1970 in eine Stiftung überführt. Es ist heute fester Bestandteil des hessischen Staatsarchivs. Hinzu kommt 1982 eine Bildungsstätte, die die zeitgemäße Fortführung der Impulse der Jugendbewegung unterstützt.
Aber auch Jugendbewegte der ersten Stunde sind nach wie vor auf der Burg zu Hause und führen hier ihre Tagungen durch. Die Ludwigsteiner verstehen sich als eine große Familie. So überrascht es nicht, wenn neben selbstbewussten Jugendgruppen oft auch Menschen biblischen Alters mit leuchtenden Augen vor dem steinernen Tisch im Burghof sitzen.


Kultureller Anlaufpunkt für die Region


Burg Ludwigstein ist die Wappenburg des Werra-Meißner-Kreises. Da ist es nur schlüssig, wenn sich die Burg als regionaler Anlaufpunkt versteht – seit dem Fall der Mauer auch und gerade für die Nachbarn im thüringischen Eichsfeld. Gemeinsam mit der thüringischen Burg Hanstein wird vor diesem Hintergrund die Initiative Zweiburgenblick ins Leben gerufen.

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen auf dem Ludwigstein, die für die regionale Bevölkerung offen sind, gehören die sonntäglichen Burgführungen mit Einkehrmöglichkeit sowie das offene Abendsingen am Kamin. Der Arbeitskreis Europäische Jugendwochen führt neben der Eurowoche mit Gästen aus ganz Europa jedes Jahr einen Ostermarkt und einen Adventsmarkt durch. Diese Kunst- und Handwerkermärkte sind in der Region sehr beliebt.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Touristen-Information Witzenhausen zur gemeinsamen Erarbeitung von Freizeitangeboten und mit der Kulturgemeinschaft Witzenhausen zur Durchführung kultureller Veranstaltungen auf der Burg. Und auch die Burgküche greift gern auf die Angebote regionaler Anbieter zurück.


Veranstaltungsort für Klassenfahrten und Familienfreizeiten


Als freie Jugendherberge mit derzeit 174 Betten steht der Ludwigstein seit jeher für offene Begegnungen an einem in sich geschlossenen Ort. Woche für Woche kommen in der Schulfahrtenzeit bis zu acht Schulklassen auf die Burg, um diese Atmosphäre zu genießen. Sie haben die Möglichkeit, ihr Umfeld auf eigene Faust zu erkunden oder die Angebote der Bildungsstätte wahrzunehmen. Beliebt sind v. a. Paddeltouren auf der Werra oder die Mittelalterprogramme, bei denen Rollenspiele entwickelt und Alltagsgegenstände nach alten Techniken selbst gefertigt werden. Dieses Selbsttun spielt auf der Burg eine wichtige Rolle. Auch Erkundungen im Archiv sind möglich – etwa um den jugendbewegten Wurzeln der Widerstandsgruppen „Weiße Rose“ und „Edelweißpiraten“ auf die Spur zu kommen.

Zu den größten und traditionsreichsten Veranstaltungen gehören die Familienwochen, die immer um Ostern herum stattfinden. Ursprünglich wurden die Wochen von Jugendbewegten ins Leben gerufen. Mittlerweile sind aber auch viele andere Menschen begeistert dabei, wenn eine Woche lang gemeinsam gesungen und musiziert, getanzt, gewandert und gefeiert wird.


Begegnungsstätte für Folkloregruppen aus ganz Europa


Die Bewahrung von Volksliedern und –tänzen, die die Gruppen der Jugendbünde von ihren Fahrten mitbringen, war immer ein wichtiges Anliegen der Jugendbewegung. Für den Austausch spielt Burg Ludwigstein – etwa beim jährlichen Fest der Kulturinitiative - eine zentrale Rolle.

Mit einem halben Dutzend Tagesräumen, einem großen Festsaal und einem weitläufigen Zeltplatz eignet sich die Burg aber auch hervorragend für größere Folkloretreffen. So findet jährlich im Herbst ein großes Tanzfest statt, zu dem jugendbewegte Gruppen aus ganz Deutschland anreisen.

Noch bunter wird es im Sommer bei der Europäischen Jugendwoche. Seit fast fünfzig Jahren werden hierzu vom Arbeitskreis Europäische Jugendwochen jeweils drei bis vier europäische Gastgruppen auf der Burg begrüßt. Diese Gruppen tauschen sich eine Woche lang in gemeinsamen Arbeitsgruppen aktiv aus und werben mit Tänzen, Liedern und kulinarischen Spezialitäten für die Kultur ihrer Region.

Burg Ludwigstein lebt von dieser Vielfalt, von der Begeisterung, mit der sich junge Menschen in verbindlichen Gemeinschaften dem Abenteuer Leben stellen – mitten in Europa, grenzenlos, „nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung und in innerer Wahrhaftigkeit“, wie es die Jugendlichen 1913 auf dem Hohen Meißner formuliert haben.

Und Burg Ludwigstein lebt von allen, die sich – sei es durch Spenden oder durch ihr persönliches Engagement – für diese Ziele einsetzen, und die so dafür Sorge tragen, dass der Raum für die Idee der Jugendbewegung erhalten bleibt.
 
  • Eintragsdaten

  • ID   2794
    Kategorie   Überbündische Begegnungsstätte
    Gegründet   1920
    Mitglieder   500 (Vereinigung)
  • Kontaktadresse

  • Jugendburg Ludwigstein
    Burg Ludwigstein
    D-37214 Witzenhausen

    Telefon: 05542/5017-10
    Telefax: 05542/5017-12
 
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