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Forenübersicht » Pfadfinder - Forum » Allgemeine Pfadfinderthemen » DPB 1911 im Kameradschaftring der nationalen Jugend

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15 Beiträge in diesem Thema (offen) Seiten (1): (1)
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HEINO ist offline HEINO  
DPB 1911 im Kameradschaftring der nationalen Jugend
337 Beiträge
Laut dem Wikipedia-Artikel war ein DPB 1911 zumindest eine zeitlang Mitglied im Kameradschaftsring Nationaler Jugendverbände, später Kameradschaftsring der nationalen Jugend, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Kameradschaftsring_N...b%C3%A4 nde

Weiß jemand, um welchen DPB-Bund es sich genau gehandelt hat? Gibt es diesen noch? Wurde die Geschichte - immerhin im Dachverband mit der Wiking-Jugend - dort aufgearbeitet? Vielen Dank schon mal für weitergehende Informationen.
Beitrag vom 09.08.2018 - 20:44
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jergen ist offline jergen  
1456 Beiträge
Hallo Heino,

als Verfasser des WP-Artikels kann ich dir leider nicht genauer sagen, welcher Bund das war und ob er heute noch existiert. Es gab in den 1950er Jahren mehrere konkurrierende Gründungen unter der Kurzbezeichnung "DPB 1911", die sich nicht grün waren und auch gegeneinander prozessierten; davon sind meines Wissen der "DPB e.V. gegr. 1911" und der "DPB Hohenstaufen gegr. 1911" übriggeblieben.

Ähnlich wie der damalige DPB Westmark, der zeitweilig ebenfalls das Kürzel DPB 1911 führte, werden diese Gründungen in der heutigen Literatur alle am rechten Rand des demokratischen Spektrums oder jenseits eingeordnet. "Soldatische Werte" inklusive Verehrung von "Wehrmachtshelden" (meist Ritterkreuzträgern) mischten sich mit nationalistischen Einstellungen unterschiedlicher Ausrichtung, mindestens einer der DPBs 1911 war streng monarchistisch ausgerichtet

Aus der Literatur lässt sich noch ermitteln, dass 1954 oder 1956 die rechtsextreme "Pfadfinderschaft Nation Europa" (PNE; mit Hans-Ulrich Rudel als "Ehrenbundesführer"), die damals die Zeitschrift "Allzeit bereit" herausgab und hinter der "Rüstkammer Assmannshausen" (Ausrüster diverser rechtsextremer Bünde und Soldatenorganisationen) stand, in einen DPB 1911 eingetreten ist. Paul Suleck, Bundesführer der PNE, übernahm dann die Führung dieses DPB 1911. Vermutlich war das der Bund im KNJ.

PS: Die "Nachrichten-Dienst"-Hefte in meinem Besitz enthalten auch nichts Erhellendes. Aus den Adressangaben von 1962 zum dort genannten DPB 1911 lässt sich aber vermuten, dass die beiden heutigen Bünde aus derselben Organisation hervorgegangen sind. Ein weiterer DPB 1911 (Traditionsverband) hatte sich 1962 dem DPB Westmark angeschlossen.


Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zuletzt von jergen am 10.08.2018 - 10:19.
Beitrag vom 10.08.2018 - 09:42
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jergen ist offline jergen  
1456 Beiträge
Noch eine Ergänzung:
Die Mitgliedsorganisationen im KNJ wechselten wohl recht schnell. Mir liegen drei unterschiedliche Auflistungen aus der Literatur vor (Dudek/Jaschke 1984, Dudek 1985, Hafeneger/Buddrus 1995), eine vierte müsste es bei Klönne (Jugend rechtsaußen. Pläne 1960) geben. Insgesamt waren in den knapp 15 Jahren seiner Existenz wohl zwischen 25 und 30 Organisationen im KNJ, die meisten allerdings recht klein. Gründe für die Fluktuationen waren Zusammenschlüsse und Abspaltungen, politische Konflikte (zB um die Wiederbewaffnung) sowie staatliche Maßnahmen wie Vereinsverbote.

Der DPB 1911 taucht nur in der Liste bei Hafeneger/Buddrus auf, die wohl auf der von Klönne aufbaut.
Beitrag vom 10.08.2018 - 19:12
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HEINO ist offline HEINO  
337 Beiträge
Vielen Dank für die Info.
Beitrag vom 13.08.2018 - 15:19
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jergen ist offline jergen  
1456 Beiträge
Ich stehe natürlich gerne für Rückfragen zur Verfügung. Diese gerne auch über "archiv{at}vcp-rps.de".
Beitrag vom 13.08.2018 - 16:28
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OFM ist offline OFM  
18 Beiträge
Gut Pfad,
wir möchten festhalten und klarstellen, dass unser Bund, der Deutscher Pfadfinder Bund e. V. (Hohenstaufen / gegr. 1911 (kurz DPBH11) weder völkisch, nationalistisch, noch monarchistisch ausgerichtet ist oder war und sich auch in keiner entsprechenden Tradition sieht; gleiches gilt sicherlich auch für den Deutscher Pfadfinderbund e.V. gegr. 1911 (DPB11).
Grundlage unserer Jugendarbeit sind das Pfadfinderversprechen und die Pfadfindergesetze.

Bei allen Vermutungen und Beurteilungen sollten wir den zeitgeschichtlichen Kontext nicht außer Acht lassen. In den 50er Jahren war die Angst vor dem Kommunismus und einem drohenden dritten Weltkrieg in der deutschen Gesellschaft deutlich ausgeprägter, ausgelöst u.a. durch den Koreakrieg (1950-1953), die kubanische Revolution (1952-1959) und die gewaltsame Niederschlagung des Volksaufstandes in der DDR (1953)
Arno Klönne (auf dessen Veröffentlichung von 1960 basieren ja die meisten entsprechenden Publikationen) war zwar Politikwissenschaftler und gilt als exzellenter Kenner der Jugendbewegung und bündischen Jugend während des dritten Reiches und nach dem zweiten Weltkrieg, allerdings konnten wir bisher keinen – vor allem belegbaren - Hinweis auf eine Mitgliedschaft oder Beteiligung des DPB11 (als Bund) am Kameradschaftsring Nationaler Jugendverbände (KNJ) finden. Ohne die Verdienste von Arno Klönne in Zweifel ziehen zu wollen, bei Kriegsende war er halt auch erst 14 Jahre alt. Insofern dürfte er diese Zeit der Nachkriegswirren nicht bundesweit überschaubar mitbekommen haben.

Anlässlich der 100-Jahrfeier im Jahre 2011 haben wir (Klaus und Hans, beide ehem. BFM im DPBH11 und zusammen ca 90 Jahre Pfadfindererfahrung) sehr intensiv zu unserer Bundesgeschichte recherchiert, dabei haben wir Dokumente aus verschiedenen Archiven ausgewertet, sowie Zeitzeugen befragt bzw. deren Aufzeichnungen untersucht.

Daraus folgende belegbaren Erkenntnisse:
Nach 1945 haben sich in den Besatzungszonen neue Pfadfindergruppierungen gebildet. Nach Berichten von Zeitzeugen wurden diese „Deutschen Pfadfinder“ in der britischen Besatzungszone von Paul Sulek geführt, eine formale Legitimation lässt sich dafür allerdings nicht finden (was ev. auch der Nachkriegszeit geschuldet ist). Nachweislich war Paul Sulek in einer „übergeordneten Funktion“ an der Gründung des Stamm Tecumseh, Diez beteiligt (Diez befand sich allerdings in der französischen Besatzungszone).
In der französischen Besatzungszone wurden nach Zeitzeugenberichten die Gruppen des DPB11 von Hendrik Cuje geführt (ebenfalls keine formale Legitimierung/Eintragung auffindbar), die Pfadfinder der amerikanischen Zone wurden von Kajus Roller (später BFM BDP) geführt.
In einem Brief vom 16.11.1948 wurden die Bundesführer der „Deutschen Pfadfinder“ von Kajus Roller zu einer Arbeitstagung am 3.-5.12.1948 mit Vertretern des IB eingeladen, hierzu war auch Paul Sulek als „Feldmeister Schrifttum“ eingeladen. In wieweit Sulek (schon auf Grund der räumlichen Nähe) mit der Rüstkammer Assmannshausen und den "Allzeit-Bereit"- Heftchen verbunden war kann nicht mehr nachvollzogen werden, da dessen Erben keine Unterlagen mehr darüber haben.
Zum 1. Bundeslager des BDP in Oberegg (30.07.1950) wurden vom BFM Kajus Roller auch die Gruppen/Feldmeister des DPB11 eingeladen, noch im Lager wird die Aufnahme der DPB11-Gruppen in den BDP vereinbart. Allerdings gab es in der Folge doch größere Probleme und Unstimmigkeiten, letztlich wurde die Aufnahme nicht vollzogen.

Am 24.03.1951 wurde die Fusion des DPB11 und DPB (Frankfurt) beschlossen, der neue Bund erhielt den Namen Deutscher Pfadfinderbund Westmark e.V. , erster Bundesfeldmeister wurde Wilhelm Wächter.
Auch mit dieser Fusion waren nicht alle Gruppierungen einverstanden, auf Betreiben von Werner Plaschke wurde für den DPB11 am 11.11.1951 in Bad Kreuznach eine Satzung und die „Wiedergründung“ des DPB11 beschlossen, BFM wurde Werner Plaschke, stv. BFM Karl Albrecht. Damit einher erfolgte später die Eintragung beim Vereinsregister in Pforzheim.
Die Satzung wird bei einem Bundesthing am 01.03.1952 in Darmstadt bestätigt, BFM bleibt Werner Plaschke, stv. BFM Johannes Liliental, Bundesgeschäftsführer Hermann Fleckenstein, Bundesschatzmeister Reinhard Moick (VR 44, AG Pforzheim, Eintrag vom 29.09.1952).
Plaschke verfolgt aber auch politische Ziele, in Kluft nehmen er und Fleckenstein an Demonstrationen und Aktionen gegen die Wiederbewaffnung teil, letztendlich wird gegen beide wegen kommunistischer Umtriebe ermittelt.
Lilienthal und Moick treten (vermutlich deshalb) am 02.05.1952 von ihren Ämtern zurück, am 16.11.1952 findet ein außerordentliches Bundesthing in Bad Godesberg statt, hier wird eine „neue“ Bundesleitung gewählt (BFM Johannes Lilienthal). Tatsächlich ist aber die alte Bundesleitung (Plaschke) ja noch im Amt und wird auch von zahlreichen Stämmen unterstützt. Lilienthal beantragt Löschung und Übertragung des DPB11 von Pforzheim nach Ahrweiler beim Amtsgericht Ahrweiler. Die Bundesleitung des bereits in Pforzheim eingetragenen DPB11 widerspricht diesem Antrag. Somit bestehen jetzt 2 Bünde (DPB11 und DPB11A).

Im November 1953 scheidet Plaschke aus dem DPB11 aus, neuer BFM wird Karl Albrecht (Stuttgart).
Auch Karl Albrecht steht ab 1952 einige Zeit wegen “linksextremer Umtriebe” unter Beobachtung des Verfassungsschutzes in BW, wie aus bisher geheimen Unterlagen des Innenministerium hervorgeht.
(Karl Albrecht ist 1894 in Roth geboren, war Mitglied im „Sportverband in Wald und Feld", der später in den DPB überging. 1912 wurde er Jungfeldmeister und 1921 als Feldmeister im DPB bestätigt .)
Am 29.11.1953 findet ein Bundesthing des DPBH11A in Köln statt, neuer BFM wird Fritz Schwipper, nachdem Lilienthal wegen Veruntreuung ausgeschlossen wurde. Hier wird bekanntgegeben, dass die Pfadfinderschaft Nation Europa (PNE) als „Technisches Corps“ in den DPBH11A eingegliedert wurde und innerhalb des Bundes ein Eigenleben führen wird (“Nachrichtendienst“ und Allzeit Bereit 02/1954).
Ab März 1954 sind die Bünde DPB11 (Pforzheim), DPB11A (Ahrweiler) und DPB11 Berlin wieder vereint, außerdem schlossen sich Gruppen von anderen Bünden an (Allzeit Bereit 02/1954).
Beim Bundesthing in Frankfurt am 10.09.1955 wird bekanntgegeben: „Die Zeitschrift ‚Allzeit Bereit‘, die durch ihre politischen Artikel sowie die Tatsache, dass ihr Niveau sehr gesunken ist, kann nicht mehr als unser bundesamtliches Organ anerkannt werden“ (Originalzitat aus Rundschreiben 07/55).
1957 spaltet sich die Landesmark RP des DPB11 ab als DPB Westmark, BFM wird Hajo Klauck.
Beim Bundesthing 1959 werden kleinere Satzungsänderung und die Umbenennung des DPB11 (Deutscher Pfadfinder Bund 1911 e.V.) in „Deutscher Pfadfinder Bund e.V. gegr. 1911“ beschlossen.
1967 ist Karl Albrecht immer noch BFM und mittlerweile über 70, der Bund hat sich – wahrscheinlich auch durch seinen „angestaubten“ Führungsstil – etwas dezimiert. Einen „geeigneten“ Nachfolger im eigenen Bund kann Albrecht offenbar nicht finden, er will aber „seinen“ Bund bewahren. Die Anfrage von Hajo Klauck vom DPBW die beiden Bünde DPB11 und DPBW (wieder) zu vereinen kam ihm daher gerade recht. Albrecht tritt als BFM zurück, neuer BFM wird Herbert Hausbalk (Berlin), es werden Gespräche zur Fusion geführt, letztendlich wird die Fusion aber nicht vollzogen.
Im Dezember 1967 spaltet sich der mitgliederstarke Stamm John F. Kennedy des DPB11 vom Bund ab und gründet den Deutschen Pfadfinder Bund Hohenstaufen e.V. .
1968 stirbt Albrecht, der BFM Hausbalk kann von Berlin aus den Niedergang des Bundes aber nicht mehr aufhalten, am 21.03.1973 wird Heinz Gschwendner (Stuttgart) zum BFM gewählt.
1973 fusioniert der Horst Stuttgart des DPB11 mit dem DPBH, daraus entsteht der DEUTSCHE PFADFINDERBUND E.V. (HOHENSTAUFEN/ GEGR 1911). Da Heinz Gschwendner nur in der Funktion „kommisarischer Horstfeldmeister“ und nicht als BFM teilnimmt und auch formal kein Bundesthing einberufen wurde bleibt der DPB11 weiterbestehen, beim Bundesthing 1974 in Bingerbrück wird Franz-Josef Kreischgauer (Köln) neuer BFM. Der Sitz des DPB11 wird 1975 von Pforzheim nach Köln und 1979 von Köln nach Düsseldorf verlegt.

Gerne laden wir Euch zu vertiefenden Gesprächen zu uns nach Stuttgart ein.
Die Termine unseres (seit über 20 Jahren) 2x jährlich stattfindenden überbündischen Stammtisches werden von Sadarji oder Hathi hier eingestellt.
Weitere Infos gibt es auch unter: https://bstammtisch.111mb.de/



Beitrag vom 15.10.2018 - 10:02
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jergen ist offline jergen  
1456 Beiträge
Liebe Freunde, ihr macht es euch zu leicht, wenn ihr Klönne die Befähigung zu einem ausgewogenen Urteil absprecht, nur weil er bei Kriegsende erst 14 Jahre alt war - aber es geht nicht um eine Publikation von 1945, sondern von 1960. Das ist unredlich und ich habe so etwas von Pfadfindern nicht erwartet. Klönne gilt bis heute als der Fachmann für rechtsextreme Bünde der 1950er und 1960er Jahre. Da muss schon substanziellere Kritik her, wenn seine Feststellungen nicht mehr gelten sollen.

Und dass Paul Sule(c)k mit seiner "Pfadfinderschaft Nation Europa" und der "Rüstkammer Aßmannshausen" ganz weit rechts außen segelte, wird offensichtlich auch nicht mal von euch bestritten. Aber auch nicht aufgearbeitet! Warum wohl war der Ahrweiler Bund (entstanden aus der Opposition gegen angebliche "kommunistische Umtriebe") für Sulek attraktiv?

Und genau das stört mich: Ihr stellt zwar die Organisationsgeschichte der diversen 1911er-Bünde da, lasst aber die Inhalte außen vor. Die Verweise auf angebliche "kommunistischer Umtriebe" führender Beteiligter sollen stattdessen von Nachfragen abhalten, so mein Eindruck.

Die umfangreiche Antwort hat bei mir ein ungutes übles Gefühl hinterlassen, übler als zuvor, zumal das ja die Wurzel ist, aus der der DPB Westmark (heute DPB Mosaik) entstanden ist. Und die Mosaikler haben es für sich als notwendig betrachtet, die rechtslastige Geschichte des Bundes aufzuarbeiten und sich davon zu distanzieren. Seltsam, dass die Mutterorganisation dann völlig harmlos gewesen sein soll.

EDIT: Etwas entschärft.


Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zuletzt von jergen am 15.10.2018 - 17:10.
Beitrag vom 15.10.2018 - 12:54
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HathiCP ist offline HathiCP  
Moderator
3446 Beiträge
Jergen, die beiden von dir hier massiv angegangenen DPB(H) 1911 Bünde haben wohl ein Problem und zwar nicht nur mit ihrer Geschichte. Ich glaube nicht, dass die heutige Generation genügend von den 60er Jahren weis oder gar noch irgendwelche Verbindungen haben und auch nicht die Manpower (Mitglieder) um mehr als die "technische" Bundesgeschichte auf zu arbeiten. Das war bei Mosaik nicht so, die hatten einen Mitgliederzahl im vierstelligen Bereich und nicht, wie die beiden genannten Gruppierungen, im zwei oder maximal im angefangenen dreistelligen Bereich.
Was den DPBH11 angeht, so kenne ich die Gruppe am Rande und kann mir die von dir genannten Einflüsse nicht vorstellen...oder gibt es vor dir einen aktuellen Anlass zu dem Faden?




Beitrag vom 15.10.2018 - 13:13
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jergen ist offline jergen  
1456 Beiträge
Ich hätte - trotz der mir etwas zu glatt gebügelten Geschichtsdarstellung - nichts geschrieben, wenn OFM uns mitgeteilt hätte: "Wir haben uns mit der Geschichte unsres Bundes/unsrer Bünde auseinandergesetzt und können nicht nachvollziehen, wie es zu den in der Literatur festgehaltenen Einschätzungen gekommen ist."

Aber der Versuch, Klönne wegen seines angeblich zu jungen Alters zu diskreditieren, ist völlig daneben. Auf diesem Niveau könnte auch ich OFM und seinem Kollegen die Befähigung absprechen, über Ereignisse der 1950er Jahre zu urteilen, weil einiges dafür spricht, dass mindestens einer der beiden damals noch nicht geboren war. Und damit wären wir wahrscheinlich ganz schnell an einem Punkt, an dem niemand mehr Vergangenes beurteilen dürfte, weil es niemand mehr miterlebt hat. So funktioniert Geschichtsschreibung und -wissenschaft aber nicht. Vergangene Ereignisse werden von einem heutigen Standpunkt aus untersucht und eingeordnet.

Einem der DPBs 1911 (vermutlich der "DPB 1911 Berlin", zu dem uns OFM leider nichts verrät) wird übrigens in Gruppenleben und politischer Aufbruch - Zur Geschichte der Jugendverbandsarbeit und des Landesjugendringes Berlin zwischen den fünfziger und siebziger Jahren (ISBN 3-88520-372-3, ab S. 155) attestiert, er sei [1953] "eine 'streng nationale' Pfadfindergruppe, die 'jede Zusammenarbeit mit Marxisten ablehnt' und enge Verbindungen zu eurofaschistischen und anderen neonazistischen Organisationen pflegte". Und das basiert nicht auf Klönne, sondern auf Aktenbeständen der Berliner Verwaltung, die ein mögliches Verbot des Bundes behandeln. Dort taucht übrigens auch "Fred K." als Bundesgründer auf, der den Düsseldorfer DPB 1911 vor einiger Zeit in die Schlagzeilen brachte. K. war in dieser Zeit Mitglied der Sozialistischen Reichspartei.

[EDIT: Zwei Ergänzungen]


Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zuletzt von jergen am 15.10.2018 - 16:56.
Beitrag vom 15.10.2018 - 16:36
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jergen ist offline jergen  
1456 Beiträge
Zitat
Original geschrieben von HathiCP

Was den DPBH11 angeht, so kenne ich die Gruppe am Rande und kann mir die von dir genannten Einflüsse nicht vorstellen...oder gibt es vor dir einen aktuellen Anlass zu dem Faden?


Anlass war die Anfrage von Heino und meine Antwort darauf.

Ich glaube nicht, dass in einem der beiden Bünde heute fragwürdige Tendenzen vorherrschen. Fragwürdig erscheint mir nur der Umgang mit der Bundesgeschichte. Da neigt man doch gerne dazu, die Dinge zu vereinfachen und zu beschönigen. Auch in meinem Stamm gab es das: In den Berichten hörte man immer von einem erzwungenem Eintritt in die HJ, was viel besser klang als der freiwillige Anschluss, zeitlich weit vor jedem Zwang.
Beitrag vom 15.10.2018 - 16:44
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HathiCP ist offline HathiCP  
RE:
Moderator
3446 Beiträge
Früher war alles Besser und jeder war Widerstandskämpfer, ich bin da bei machen Geschichten vorsichtig geworden. Ein richtiger Umgang mit der (Bundes)Geschichte setzt eine Möglichkeit voraus auf Quellen und Menschen zurück zu greifen die es noch vereinzelt gibt und die immer weniger werden. Auch bei vielen Zeitzeugen ist alles Besser gewesen. Die Mosaikler haben das super gemacht und mit der Vergangenheit konsequent abgerechnet, aber da hat nicht jeder die Möglichkeiten, den Mut, das Wissen und die Leute dazu die das tragen und tragen können.
Beitrag vom 15.10.2018 - 17:53
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jergen ist offline jergen  
1456 Beiträge
Ich glaube, im Fall meines Stammes und des Übertritts in die HJ spielt neben "Früher war alles besser" und dem absichtlichen oder unabsichtlichen Schönfärben der eigenen Geschichte ("Wir gehören zu den Guten") noch etwas drittes rein: Dass das tatsächliche Geschehen für die heutigen Pfadfinder*innen schlicht und einfach völlig unvorstellbar ist; dass sie absolut nicht nachvollziehen können, was damals passiert ist.

Wenn man - gleich bei welchem Bund - Sippenführer*innen offen danach fragen würde, was 1933/34 mit der deutschen Pfadfinderbewegung passiert ist, würde vermutlich keiner antworten: "Einige/viele haben sich der HJ angeschlossen." Das ist weder das, was auf unseren Schulungen gelehrt wird - dort kommen in der Regel Verbote und widerständiges Verhalten vor -, noch ist es mit dem Selbstbild der meisten Bünde vereinbar, dass man sich als Pfadfinder*in deutlich rechts der Mitte positionieren kann.
Beitrag vom 16.10.2018 - 14:54
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OFM ist offline OFM  
18 Beiträge
Gut Pfad lieber jergen,
wir hatten uns lange überlegt, wie wir auf Deinen Post vom 15.10. antworten, und haben uns dann für die „lange Version“ entschieden, anstatt diesen latent vorhandenen Vorwurf der „Rechtslastigkeit“ einfach zu ignorieren oder nur in einer „kurzen Version“ zu dementieren.
Wir haben uns (auch) mit der Geschichte der Pfadfinder in Deutschland befasst, dies aber mit dem Schwerpunkt einen „roten Faden“ von der Gründung des DPB im Jahr 1911 bis zu unserem heutigen Bund DPBH11 zu verfolgen. Dieser „rote Faden“ führt über den DPB11 (Pforzheim) und ist sehr stark mit der Person Karl Albrecht verbunden.
Karl Albrecht hatte weder Führerschein noch Auto und auch nur begrenzte finanzielle Mittel, der wesentliche Kontakt zu den Untergliederungen erfolgte per Brief oder Rundschreiben und auf gemeinsamen Lagern und den Bundesthings. Durch seine Pfadfindertätigkeit bereits vor und nach dem ersten Weltkrieg sind seine Vorbilder Maximilian Bayer und Carl Freiherr von Seckendorff.
Albrecht legte – auch aufgrund seiner eigene Erfahrungen - großen Wert auf die in der Satzung verankerte parteipolitische Neutralität, sowohl für Plaschke und Fleckenstein (eher links) als auch die Protagonisten der Ahrweiler-Absplitterung (eher rechts) hatte er letztendlich nur Verachtung übrig.
Insofern ist es unwahrscheinlich, dass er als BFM einer Mitgliedschaft in einer offenkundig politischen Organisation wie der KNJ zugestimmt oder diese unterstützt hätte – zumal sich dafür bei uns auch keine Hinweise finden lassen.
Angeregt durch Deinen Post haben wir untersucht, ob und wie Paul Sulek mit dem DPB11 in Verbindung stand. Uns liegen keine Hinweise vor, dass Sulek jemals Mitglied der Bundesleitung des DPB11 war (obwohl er angeblich 1948 als Sprecher der Pfadfinder der französischen Zone gewählt wurde und aus dieser Zeit auch mit Lilienthal bekannt sein musste).
Wie lange und in welcher Stärke die PNE als „Technisches Corps“ im DPB11 eingegliedert war konnten wir nicht feststellen, 1955 wird es aber in einem Rundschreiben noch aufgeführt.
Der DPB Westmark hat sich 1957 vom DPB11 abgespaltet, den genauen Grund kennen wir nicht aber Hajo Klauck als treibende Kraft wird wohl mit irgendetwas unzufrieden gewesen sein. Einen Rückschluß aus einer politischen Orientierung des DPB Westmark auf eine gleichartige Orientierung des DPB11 zu ziehen halten wir daher für etwas gewagt - vielmehr lässt die Abspaltung doch eher vermuten, dass (persönliche ?) Unstimmigkeit bestand.
Zum DPB11 Berlin liegen uns kaum Unterlagen vor. Für unseren „roten Faden“ war lediglich interessant, dass der Nachfolger von Karl Albrecht der Landesfeldmeister von Berlin Herbert Hausbalk wurde.
Es lag überhaupt nicht in unserer Absicht, Arno Klönne zu diskreditieren, möglicherweise war die Formulierung etwas unglücklich gewählt. Wie von Dir selbst festgestellt, gab es mehrere Gruppierungen „DPB 1911“; wenn Klönne daher auf einen „Deutschen Pfadfinderbund 1911“ als Mitglied im KNJ verweist, ist das zumindest unpräzise. Insofern muss doch auch ein Zweifel erlaubt sein, so lange die zu Grunde liegende Quelle nicht offengelegt ist.
Wenn Du die Publikation „Jugend rechtsaußen“ im Zugriff hast wird dort ja sicherlich auf eine entsprechende Quelle verwiesen oder diese ist sogar abgedruckt, dies würde uns für eine bessere Identifizierung des betroffenen Bundes und eine vertiefende Aufarbeitung schon weiterhelfen.

Beitrag vom 19.10.2018 - 08:53
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jergen ist offline jergen  
1456 Beiträge
Nochmals: Niemand behauptet, dass ihr heute rechtslastig oder gar -extrem seid. Aber es gibt deutliche Hinweise darauf, dass das in den 1950er Jahren anders war oder anders gesehen wurde.

Da ist die Listung als Mitglied des KNJ. Da ist die Nennung bei Kurt P. Tauber: Beyond Eagle and Swastika. German Nationalism Since 1945, der sowohl den Ahrweiler als auch den Pforzheimer Bund aufführt (S. 392 + 402 f.). Da ist die Einsortierung im Aktenbestand von Günther Welter im AdJB als "völkischer/nationaler Bund". Da sind die von mir gefundenen Angaben zum Berliner Bund. Die Beziehung DPB 1911 und KNJ taucht außerdem in mehreren Gewerkschaftszeitungen der 1950er Jahre auf.

Sulek (bzw. Suleck) taucht im AdJB in verschiedenen Beständen auf, unter anderem beim DPB 1911 und der PNE. Da scheint eine Beziehung bestanden zu haben.

Klönnes Jugend rechtsaußen habe ich nicht, das hatte ich weiter oben schon geschrieben. Den Sonderdruck gibt es nur an sehr wenigen Standorten, einfacher wäre es wohl die Hefte 4+5/1960 der Zeitschrift pläne über Fernleihe zu beziehen.

Wie es wirklich war, müsst ihr schon selbst herausfinden. Ich kann - insbesondere ohne Zugriff auf die Archive - nur referieren, was in der Literatur auftaucht. Und genau das habe ich in meinen Beiträgen gemacht.

PS: Interessant könnten auch die Unterlagen des KNJ sein. Die zeitschriften gibt es u.a. im apabiz in Berlin.



Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zuletzt von jergen am 19.10.2018 - 11:48.
Beitrag vom 19.10.2018 - 11:43
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Almi ist offline Almi  
252 Beiträge
Almi`s alternatives Ego
Ich fand den Beitrag von OFM vom 15.10. hochinteressant und - trotz der Unübersichtlichkeit der Ereignisse - nachvollziehbar dargestellt. Konnte noch nie verstehen, wieso es auf Wikipedia heißt, der DPB Westmark sei 1945 neu gegründet worden, wo doch im Vereinsregister die erste Eintragung erst 1959 erfolgte (Bad Kreuznach VR 292; BFM Hajo Klauck, Stv. BFM Karl Haybach; Bundesgeschäftsführer Paul Ewert; Bundesschatzmeister Karl Heinz Kirchhoff).

Ich bezweifel, dass der ehemalige Westmark seine Geschichte tatsächlich fundiert aufgearbeitet hat - davon hab ich als Mitglied nicht viel mitgekommen. Das, was man aber wusste, reichte aber aus, um die Umbenennung zu rechtfertigen - besonders betont wurde allerdings dabei die politische rechtsaußen-Ausrichtung VOR der Verbotszeit.

Aufarbeitung ist kein Spaziergang. Da gibt es Schlimmeres, als ehemalig rechtslastige Ausrichtung grosses Lachen
Da würden sich mir beim DPB 1911 spontan andere Prioritäten ergeben. Aber bei zwanzig Mann und keinem mit Faible dafür wird so etwas schwierig.
Beitrag vom 20.10.2018 - 16:00
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