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DPSG-up2date- what I thought...
19.04.2003 - 20:37

Autor: Matthias Surovcik, Pfadileiter

Gedanken zu einzelnen Punkten der Ordnung des Verbandes im Zuge des Up2date-Prozesses.

Liebe Pfadfinderinnen liebe Pfadfinder,

wie so viele andere, habe ich die pfadfinderische Laufbahn vom Wölflingsalter an durchlebt, und offenen Herzens erlebt. Diese Zeit hat mir sehr viel für mein Leben gegeben. Einer der Grundpfeiler aller Erlebnisse im Pfadfinderdasein ist das Leitungsteam der einzelnen Stufen. Heute, bin ich selbst Leiter, und möcht viel von dem selbst erlebten weitergeben. Seit längerem haben wir immer wieder vom „Update“ gehört, und das ganze nahm immer mehr Form an. Ich glaube, ich bin nicht der einzige, der dem mit gemischten Gefühlen gegenübersteht. „Am Puls der Zeit“ zu bleiben ist ein wichtiges Anliegen der Pfadfinderbewegung. Gleichzeitig aber achten wir auch unsere „Traditionslinie“.
Ich habe mir zu diesem Anlaß unsere Ordnung und Satzung zu Gemüte geführt. Beim Lesen ging es mir, wie es wohl den meisten geht. Vieles konnte ich im Herzen bekräftigen, doch anderes rief bei mir eher ein Hochziehen der Augenbraun hervor. Ich halte das Update für eine gute Gelegenheit, eben diese Punkte zur Sprache zu bringen, und möchte alle Mitglieder der DPSG ermutigen, für sich selbst, solche Punkte zu finden und zu durchdenken. Schließlich ist dies unser Verband. Ich möchte hier nur zwei Punkte ansprechen, welche mich persönlich besonders beschäftigten.
Ordnung, S. 18
Zitat: „[...] erklären wir, dass Christen anderer Konfessionen Mitglied in der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg sein können.“
Heißt dies, dass man Christ sein muß, um Mitglied in unserem Verband zu sein? Am Beispiel unserer Kultur sowie der christlichen Weltanschauung orientiert sich unser Verband, aber dies bedeutet doch nicht für einzelne Menschen, diesen Glauben teilen zu müssen. Ich habe auch sonst nirgendwo in der Ordnung oder Satzung einen Hinweis darauf gefunden, wie es sich mit Mitgliedern anderer Glaubensangehörigkeit als der christlichen verhält. Lediglich habe ich in der Satzung folgenden Vermerk gelesen:
Satzung, S. 65, Punkt 8
Zitat: „Kinder und Jugendliche können Mitglied der DPSG werden. Näheres regelt die Ordnung des Verbandes.“
Dazu fand ich jedoch wieder nur den schon oben zitierten Punkt in der Ordnung. Hieße dies, das Jugendliche und Kinder eines jüdischen, buddhistischen oder anderweitig orientierten Glaubens nicht Mitglieder sein dürften? Selbst wenn meine Auslegung falsch ist, da es sich ja zum Glück in der Praxis anders verhält, halte ich diese Aussage für zumindest ungeschickt gewählt. Wäre es eine Überlegung wert, diesen Punkt in der Ordnung zumindest zu ergänzen, um dies Klarzustellen?

Der zweite Punkt, welcher eine Gedankenflut in meinem Kopf hervorrief, ist in der Ordnung auf der Seite 21 niedergeschrieben.
Unterpunkt zur Verpflichtung, Friedenspfadfinder zu sein
Zitat: „Aufgrund der eigenen deutschen Geschichte, in der von Deutschland aus unermessliches Leid und brutaler Terror über die Menschen in Europa und der Welt gebracht worden ist, ist die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg diesem Auftrag ihres Gründers besonders verpflichtet“
Hierzu als meine persönliche Anmerkung; Ich selbst bin kein gebürtiger Deutscher. Geboren wurde ich in Bratislava, als slowakischer Staatsbürger. Meine Familie immigrierte 1988 nach Deutschland. Aufgewachsen bin ich seit dem im Allgäu, seit ich 16 bin reise ich allein durch die Welt, spreche 4 Sprachen, und sehe mich selbst am ehesten als Weltbürger an. Seit über 2 Jahren habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft, und ich fühle mich wohl, als Mensch. Friedenspfadfinder bin ich sehr gern, mit meinem ganzen Herzen. Doch nicht weil ich in einem Land lebe, welches so wie viele andere einen Schatten in der eigenen Geschichte hat, sondern weil ich gerne Mensch bin, und Gottes Schöpfung auf diese Weise ehre. Ich halte offen gesagt nichts davon, sich als Sühne oder gar Buße für den Frieden einzusetzen. Ich kenne niemanden in meinem Bekanntenkreis der Pfadfinder, der irgendwelche persönliche Schuld an den damaligen Verbrechen Nazideutschlands hat. Ist es denn richtig, ein schlechtes Gewissen aufrecht zu erhalten? Es ist wichtig sich der Geschichte zu erinnern. Es ist sehr wichtig daraus viel für sich zu ziehen. Doch jemandem einzureden, er müsse sich für etwas einsetzten, weil vor vielen Jahren in dem Land, in dem er lebt, schlimmes geschah, halte ich für falsch. Ich will mich für den Frieden dieser Welt einsetzten, aus tiefstem Herzen. Und ich finde es schön, wenn Pfadfinder dies gemeinsam, als Verband machen. Doch sollte die Motivation hierzu nicht durch Schuldgefühle unterstützt werden! Als Weltbürger, der in Deutschland lebt, aber nicht von hier stammt möchte ich sagen, laßt uns uns der Vergangenheit erinnern, nicht an ihr haften bleiben! Und deswegen, halte ich es für unangebracht, diesen Satz so in unserer Ordnung stehn zu haben.

Dies sind nur meine Persönlichen Gedanken, die ich hier kurz einfließen lassen wollte. Wer möchte, kann und soll sich hierzu äußern. Und ich bitte jeden, der dies evtl. liest, sich seine eignen Gedanken zu machen. Es ist unser Verband, und somit auch unsere Zukunft.

Euch allen
Gut Pfad!

Matthias Surovcik (alias „Smartie“)













Impressum des Autors:

Matthias Surovcik
Kempten (Allgäu)
email: interscoutmatt@web.de
page: http://www.namargon.de


Smartie


gedruckt am 26.06.2022 - 21:55
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