Fahrtenberichte
osterfahrt 04 im stamm roter löwe
04.05.2004 - 21:04

Nachdem wir in Bockhorn per Bus angekommen waren, sind wir augenblicklich in Wandergruppen aufgeteilt worden. Titus, Nene, Papagena, Salim, Wickie und ich (Monty) bildeten die erste Gruppe. Wir wurden von Aga mit dem Auto nach Schoost gefahren und los ging unsere einwöchige Fahrt. Für den allerersten Tag kamen wir auch schon ausreichend weit weg und erreichten so gegen Abend Jever (circa9km).
Alsbald war ein märchenhafter Lagerplatz gefunden, welcher augenscheinlich sich in einem Moor befand. Während die gesamte Fahrtengruppe damit
beschäftig war die Kohte hochzuziehen, entstanden einige Sprüche, die den weiteren Verlauf dieserFahrt noch stark beeinflussen würden:
Salim: „Wir sehen heute bestimmt `ne Schlange, die verstecken sich im Unterholz.“
Titus darauf: „Ja oder Skinheads! Kurz darauf entwickelte sich schon der nächste Lacher:
Titus: „Bei der Nene denkt man immer die ist betrunken.“ (Nene greift Titus versehentlich in den Schritt).

Nachdem die Kohte stand und perfekt abgespannt war, wurde relativ schnell gekocht. Die Wolken am Abend haben uns nicht ohne Grund beunruhigt, denn die ganze Nacht (und auch am folgenden Morgen) schüttete es wie aus Eimern. Etwas später abends las Titus noch ein Kapitel aus unserer Fahrtenlektüre vor.
Da es in der Nacht wie erwähnt windete und regnete, machte Wickie so gegen
2:30 Uhr eine Bemerkung zu unserer tollen Dachkonstrucktion, welche aus Kohtendach, Poncho und Nenes Regenjacke bestand. Er meinte das dieser „Müllhaufen“ wahrscheinlich mit Wasser vollaufen würde und dann in die Kohte krachen könnte. Titus weise Antwort: „Ja, ja schlaf weiter...“
So ging unsere erste Nacht zu ende.

Monty

Luxusfrühstück
Um sieben Uhr werde ich wach und drehe mich noch mal um, um eine Stunde später Brötchen und Eier zu kaufen. Bis zum Frühstück vergeht aber noch einige Zeit, da alle sehr langsam sind.
Gegen zehn Uhr kommen wir schließlich los. Als ich die Kaution zurückerhalte, die wir für die Übernachtung im VCP- Haus hier in Tettens bezahlen mussten, wird uns angeboten, das wir zum „letzten Aldi vor der Küste“ gefahren werden. Die Gelegenheit so vier Kilometer endlose Bundesstraße abzukürzen, lassen wir uns nicht entgehen. Beladen mit Klößen und Schokolade geht es nun also weiter nach Mederns.

Wenn Engel reisen…
Schon seit Sonntag sind hinter uns vor uns und auf allen Seiten riesige, dunkle Wolken zu sehen, doch wir entgehen ihnen immer knapp. Lediglich nachts kommt es zu größeren „Schauern“. Beim wandern begleiten uns abwechselnd Sonne oder wenige Tropfen.
In Mederns schicke ich improvisierte Postkarten nach Düsseldorf und an die Wölflinge in Bockhorn.

An der Nordseeküste
Nach einer Stunde Wanderung in der Sonne, hinweg über drei Deiche mitsamt einer Matschstrecke zwischen Feld und Düker, erreichen wir die Nordsee.
Ich stehe überwältigt im wind auf dem Deich, lasse meine Blicke übe rdie nordfriesischen Inseln schweifen, schaue den seltsamen Vögeln, die in der Ruhezone leben zu und schweige.
Während dieser visuellen Entlohnung für alle „strapazen“ die wirauf uns geladen haben, bemerke ich, wie die Mädels den Deich schon wieder verlassen und die Jungs eine Fotosession abhalten. Da bringt man die Leute an solche imposanten und sehenswerten Orte und nach drei Minuten ist ihr Zauber für die Fahrtengruppe schon wieder erloschen!
Wiedemauchsei, als ich mehrmals gerufen werde geht es dann weiter, nach einer ordentlichen Strecke entlang des Deiches, bei der wir bis zur Brotzeit von Schafen begleitet werden, gelangen wir vorbei an Windräder in ein kleines kaff vor Minsen.

Das Dorf der Verdammten
Schon als uns ein Mann in Trainingsanzug erklärt unsere Tätigkeit erinnere an „Big Brosser im Survivor- Bereich“, schon da hätten wir stutzig werden sollen.
Doch auch die nächste dame, die uns wegen der Kurtaxe nicht in ihrem Gartn schlafen lassen wollte und sagte, dass die Nordsee „ein Uhr warm“ sei ließ mich noch nicht verwundern.
Als wir dann am Ortsausgang immer noch keinen Schlafplatz gefunden haben, entschloß ich mich bis nach Minsen weiterzugehen.
Doch kaum sind wir zwanzig Meter aus dem Ort raus, da fährt ein Golf vorbei und fragt, ob wir einen Schlafplatz suchen würden. Monty bejaht und so folgen wir dem Typen von der freiwilligen Feuerwehr, der erkärt, es hätten schon oft Pfadfinder auf seinem Hof genächtigt.
Dann kam das Grauen: Naß vom Regen geht es vorbei an rauchenden Halbwüchsigen durch eine sehr dreckige Scheune in die Küche.
Dort türmte sich überall das dreckige geschirr und essen, zwei Vogelkäfige waren voller Vogeldreck und überall liefen stinkende Hunde herum.
An diesem schreckensvollen ort blieben wir, bis der älteste Sohn den Traktoren aus der Halle geholt hatte. Meine angst vor großen, stinkenden Hunden diente unterdessen zur belustigung aller. Salim deutete auf eine Packung Gewehrkugeln auf dem Esstisch. Die etwas aus der Form geratene Frau des Hofes fragte Salim: „Na, mein Junge, wofür sind die wohl?“ – „Für Schweine?“ die Dame kraulte Salim den Nacken und lachte. Ihre ganzen Söhne gehen leidenschaftlich gerne auf die Rattenjagd, so wurden wir später aufgeklärt. Bald waren wir alle (auch Salim) erlöst und konnten unser Domizil in der Halle beziehen.
Dort standen mehre Segeljachten herum, hinten husteten zwei Pferde. Ja, sie husteten!
Als wir uns wunderten, dass neben Riesengehöft, Schiffen und Schweinezucht (die wir allerdings nie gesehen haben) auch noch ein große Menge an Landmaschinen vorhanden ist,
erklärte Salim: „Das haben die alles von ihrem Planeten mitgebracht!“
der Lustige Feuerwehrmann hatte zwar in einer amüsanten Schimpfkanonade auf die ach so unsinnigen Vorschriften erklärt, wir könnten ruhigen Gewissens Feuer in der Halle machen, „da hinten, bei den Dieselfässern“.
Dieses Risiko gehen wir aber lieber nicht ein, und so kochen wir draußen. Um keinen Preis wollen wir etwas aus dieser Küche essen.

Am Abend lasen wir noch aus unserer Fahrtenlektüre „Lockruf der Ferne“ über eine Balkangroßfahrt zweier Wandervögel, legten uns aber schon relativ zeitig schlafen, damit wir morgen früh aufbrechen können. Ich hasse diesen Ort.

Gut Pfad und Allzeit bereit

titus


Es war 10 Uhr morgens als wir von Titus geweckt wurden. Er sagte, wenn wir uns mit dem Aufstehen und dem Packen beeilen würden, dann ginge er in der Zwischenzeit Brötchen kaufen. Außerdem sollten wir Feuer machen, doch da wir weder Streichhölzer noch ein Feuerzeug hatten, packten wir einfach unsere Sachen.
Kurz bevor Titus zurückkam, fiel uns ein, daß wir ja den Bauern, auf dessen Wiese wir übernachtet hatten um Feuer bitten konnten. Deshalb konnten wir, als Titus zurückkam, Tee auf dem Feuer machen und anfangen das fünf Euro teure Brot zu essen. Danach packte Titus und die anderen bauten die Kohte ab.
Nachdem wir uns beim Bauern für den Lagerplatz bedankt hatten, ging es endlich los. Doch als wir in einen Versuchswindpark kamen, wusste Titus nicht mehr weiter. Wir liefen zunächst ein bisschen hin und her, aber dann konnten wir mit Hilfe eines Postboten den Weg nach Wilhelmshaven finden.
Dieser Weg war nicht allzu schön, denn er führte die ganze Zeit an einer Straße entlang.

Als wir in Wilhelmshaven ankamen, liefen wir ins Zentrum. Wir beschlossen dann zu einer Kirche zu gehen und konnten zufälligerweise auch in diesem Moment die Spitze eines Kirchturmes sehen. Direkt gegenüber war ein Gemeinde- und Jugendzentrum. Wir fragten dort, ob wir für eine Nacht in dem Jugendkeller der Kirche übernachten dürften. Der Pfarrer gab uns freundlich den Schlüssel in die Hand und fragte uns, ob wir noch irgendetwas bräuchten. Wir dankten ihm erst einmal herzlich und anschließend besichtigten wir unsere Schlafstätte. Wir entschieden uns, zuerst einmal zum Hafen zu
gehen.
Kaum waren wir am Hafen angekommen, legten wir uns von der Sonne bestrahlt auf den Deich. Als einige Zeit verstrichen war dachten wir weil wir Hunger bekamen, wieder an die Einladung zu der Andacht mit Abendmahl und Abendessen, zu der uns der Pfarrer eingeladen hatte, zu gehen. Da wir aber beschlossen hatten, einen gemütlichen Abend mit einem großen Mahl zu veranstalten, gingen Titus, Monty und Nene einkaufen. Papagena, Salim und ich nahmen am Abendmahl teil. Wir machten während des Essens Bekanntschaft mit einem VCPler, der sehr nett zu sein schien. Es schmeckte relativ gut. Als wir dann zu zweiten Mal mit den Anderen, die schon gekocht hatten am Tisch saßen, kam der VCPler noch einmal uns besuchen. Wir unterhielten uns noch über unsere Fahrt und dann ging er auch schon wieder. Für uns aber begann der Abend erst jetzt mit Pizza und Salat und später mit Chips, Cola und Pudding. Wir spielten ungefähr drei Gesellschaftsspiele bevor wir ins Bett gingen.




Gut Pfad und allzeit bereit

WICKIE


titus


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